Trickser oder Genie – und wer glaubt was

Diesel Skandal – warum haben wir da nicht eher was bemerkt

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Zwischendrin was ganz ohne Hybridsystem: der Diesel-Diskussion kann man seit Monaten kaum entkommen. Wer hat wann und wo wen betrogen, wer hat nicht kontrolliert oder falsche Richtlinien angewandt, wer ist böse, wer ist ein Opfer geworden …

Jetzt sollen sich die (deutschen) Autohersteller auch noch abgesprochen haben. Liebe Presse: glaubt ihr wirklich, die Hersteller sind untereinander so zerstritten, dass die nicht miteinander reden? Ein Mitarbeiter von Audi redet im Biergarten nicht mit seinem BMW Kollegen und tauscht sich mit ihm aus? Ja? Dann seid ihr noch wesentlich weiter weg von der Alltagswelt, als ich das ohnehin schon befürchtet hab. Sogar Autohändler reden miteinander, stellt euch das mal vor!

Abgesehen davon kommt alles so nach und nach auf den Tisch: ja, auch der Daimler kann per Softwareupdate nachbessern. Und gibt damit zu, dass nicht alles so ganz optimal aufeinander eingestellt ist. Ja, was ist denn jetzt los? Ein paar geänderte Programmierzeilen sorgen also für weniger NOx Ausstoss ohne sonstige Nachteile? Wer das glaubt, sucht bestimmt auch im Frühwinter nach fliegenden Rentieren.

Was mich wurmt: eigentlich wissen wir das seit über 10 Jahren. Warum und woher? Anfang der 2000er Jahre kam ein neuer Produktmanager/Entwicker zu TME (Toyota Motor Europe), der eine ganz neue, bis dahin bei Toyota nicht vorstellbare Generation von Turbodieselmotoren eingeführt hat (AD-Motorenfamilie). Das war der erste Toyota-Dieselmotor, der so richtig „geschubst“ hat, wie man das von europäischen Dieseln kennt. Das Ganze dann auch gleich noch mit Partikelfilter und NOx-Redukationskatalysator. Also alles top? Leider nicht ganz: es gab anfangs mit Dieselruss verklebte/zugwachsene Abgas-Rückführventile. (weil das System immer aktiv ist und nicht, wie bei anderen Herstellern und seit kurzem bekannt, bei vielen Umweltbedingungen einfach ausgeschltet wird). Wichtiger und noch mehr im Fokus: der Motor geht genauso gut wie z.B. ein VW- oder BMW-Motor, braucht aber 10-20% mehr Kraftstoff. Was wir natürlich bei unserem Hersteller reklamiert haben. Die Antwort lautete sinngemäss, man könne den Verbrauch nicht weiter reduzieren, ohne die Grenzwerte für den Schadstoffausstoss zu überschreiten. Wie die anderen das können, hat man leider nicht herausfinden können.

Jetzt, mit den heutigen Kenntnissen über Prüfstands-Erkennungsmodus und weitere illegale Tricksereien, wird das schon nachvollziehbar. Aber wir sind auch überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass die Wettbewerber einfach schlau bescheissen.

Anstatt ein Eingeständnis abzugeben, dass man möglichst billige Technik verwendet hat, um den eigenen Gewinn zu maximieren, erzählt man dem Verbraucher jetzt, dass man per Softwareupdate eine erhebliche Verbesserung der Motorverhaltens erzielt. Aha. Ohne Nachteile für Rest des Motors. Soso. Ohne Erhöhung des Kraftstoffverbrauchs – HAHA!!

Einem Hersteller hat man schon nachgewiesen, dass im Rahmen des Softwareupdates auch die Verbrauchsanzeige des Bordcomputers so rekonfiguriert wird, dass wieder der gleiche, niedrige Verbrauch wie zuvor angezeigt wird – tatsächlich an der Tankstelle aber mehr pro Kilometer nachgefüllt werden muss.

O wie groß ist die Verarsche.

Crownbesuch06

#dieselgate Leute, lassts die Kirche mal im Dorf.

Was ist denn das für eine Hetzjagd derzeit auf VW? Die VW-Leute sind ja naturgemäss nicht meine besten Freunde, ich find auch die Autos alle zusammen ziemlich fad. Und in Sachen Umweltschonung von Beginn der Produktion inklusive Rohstoffherstellung bis zur Fahrt eines jeden Kilometers auf der Strasse gibts meiner Meinung nach nichts sinnvolleres als ein Toyota Vollhybridauto. Aber dennoch: den Ansturm unserer westlichen „Lügenpresse“ hat der VW Konzern nicht verdient.

Die haben einen Fehler gemacht, klar. Mit falschen Schadstoffwerten trickst man nicht. Man versucht auch gefälligst nicht, durch technische Tricks gesetzliche Vorschriften zu umgehen. Basta. Da kommen sogar die US-Amerikaner drauf, die ansonsten nicht grad die Umweltengel sind.

Nochmal zum Betrug: Das soll auch bestraft werden – aber müssen da gleich Milliardenwerte vernichtet werden, zumindest als Börsenwerte? Ist jetzt laut unserer Presse die Abgastrickserei die wichtigste Sache der Welt? Griechenland ist gar kein Problem mehr? Hätte man dort die Milliarden nicht sinnvoller versenkt als an der Börse, wenn die Kohle schon verbrannt werden muss?

Was genau ist denn jetzt passiert? ist irgendjemand dadurch zu Schaden gekommen, bewiesenermassen? Jaja, die höheren Emissionen … aber wie relevant sind die wirklich im Vergleich zu einer ordentlichen Grillfeier mit Holzkohlebriketts und Grillanzünder? Das soll jetzt die Angelegenheit nicht „kleinreden“, aber es gibt schon wesentlich größere Umweltverschmutzer, die bei weitem nicht so an den Pranger gestellt werden.

Ein kleines bisschen „genchi genbutsu“, zur Quelle gehen: wer hat denn von dieser Geschichte einen Vorteil? Schaut irgendjemand an der Börse, wer die VW-Aktien, die ja jetzt ganz kurzfristig wesentlich billiger zu haben sind, derzeit kauft? Oder wer hinter den Käufern steht? Oder wer durch Optionshandel in den Wochen zuvor sich jetzt eine goldene Nase „verdient“?

Was ich nicht glaube: dass der VW Konzern durch einen Mitbewerber angeschwärzt wurde. Die wissen doch alle voneinander, mit welchen Kniffen der Mitbewerber sein neues Auto ausgerüstet hat. Auf jeden Fall spätestens ein paar Tage nach Marktstart: ich habs selbst mal mitbekommen, wie von BMW ein nigelnagelneuer Lexus zerlegt wurde, um an die „Geheimnisse“ zu kommen. Also wird da nicht eine Krähe der anderen …  und überhaupt versucht die Presse ohnehin schon, auch anderen Fahrzeugherstellern einen „Betrug“ nachzuweisen.

So sehe ich das: In Europa muss ein Auto, damit es die Zulassungskriterien erfüllt, bei einem exakt beschriebenen Testablauf auf einem Rollenprüfstand bestimmte Emissionswerte erfüllen. Genau das wird geprüft- und nicht, was das Auto im Strassenverkehr ausstösst. Und genau dafür optimieren die Hersteller die Steuerungssoftware – wenn das Auto aus dem „Fenster“ des Prüfzyklus fährt, wird es nicht mehr mit dem „Prüfstands“, sondern mit dem „Alltagsprogramm“ betrieben. Die Auswirkungen sieht man ohnehin überall: die Differenz zwischen EU-konform ermitteltem Verbrauchswert und tatsächlichem Verbrauch (siehe z.B. Spritmonitor.de) steigt von Jahr zu Jahr und bei jedem neuen Modell, weil die Hersteller die Programmierung immer extremer auslegen. Damit begeht keiner einen Betrug! Der entsprechende Hersteller erfüllt die Zulassungskriterien. Nicht mehr, nicht weniger. Allerdings gibt es auch in Europa in der EU-VO 715/2007 über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen die Forderung: „Die Verwendung von Abschalteinrichtungen, die die Wirkung von Emissionskontrollsystemen verringern, ist unzulässig.“ Wenn das der Fall in Europa sein sollte, dann könnten die mit dieser Software ausgerüsteten Autos ihre ABE verlieren. Das wird sich zeigen – und in dem Fall wird der Skandal natürlich noch viel größer.

Jetzt ist die Politik gefragt, neue, bessere, sinnvollere Regelungen und Vorschriften zu finden! Die haben aber keine Ahnung und sind ganz offensichtlich nicht fähig, sich vorzustellen, was ein Unternehmen macht, um einen möglichst hohen Ertrag zu generieren. Es sollten in der Politik doch auch ausser Ex-Beamten Leute zu finden sein, die mit ein bisserl gesundem Menschenverstand an die Ausarbeitung von Vorschriften herangehen. Einfach und praxisnah.

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ADAC – Affäre: Täter, blöd gelaufen oder Opfer?

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Die Oberfläche hat zumindest Risse bekommen:

Der ADAC betrügt! Egal, ob jetzt die Endergebnisse der Leserwahl auch mit „ungehübschten“ Zahlen von der Reihenfolge her so passen oder nicht: es wurde nicht die Wahrheit gesagt und geschrieben.

Warum? Weil man mit einer Beteiligung von „nur“ einigen tausend Mitgliedern sich schämt? Oder der Industrie was anderes vorgegaukelt hat? Oder, für mich am wahrscheinlichsten: weil sich sonst der Rest der deutschen Autopresse lächerlich macht über den ADAC.

Heutzutage, wo jeder Facebook-Teilnehmer eine Umfrage einstellen kann, zur Abstimmung, wie Tante Ernas neuer Kanarienvogel heissen soll – und sich daran schon oft ein paar hundert Leute mit einbringen. Da bringt ein Club mit (angeblich) über 18 Millionen Mitgliedern grad mal ein paar tausend Leute zusammen, die bei einer Leserwahl mitmachen, wo es noch dazu was zu gewinnen gibt?

Ganz ehrlich: am Ergebnis würde sich auch bei wesentlich höherer Beteiligung kaum etwas ändern. Der Durchschnitt wählt halt einfach den Durchschnitt. Das hätten viele Statistiker auch so vorhergesagt. Wenn man sich das aber nicht zu sagen traut …  tja, blöd gelaufen.

Ich bin persönlich nicht der allergrößte Fan des ADAC. Auch brauch ich ihn (hoffentlich) nicht als Pannenhelfer, weil ich ja Toyota fahre. Was ich mal vom Club bekommen habe, ist eine vergünstigte Rennfahrerlizenz. Und ein Urlaubs-Planungs-Paket mit Landkarten. Jaja, schon ein paar Jahre her.

Definitiv muss man als Berater in unserer schönen Auto-Branche aber schon wissen, was der ADAC zum Beispiel in Sachen Reifentest empfiehlt. Weil die Leute sich einfach da drauf verlassen. Ob wir davon überzeugt sind und unsere Kunden damit beste Erfahrungen gemacht haben, steht auf einem ganz anderen Blatt. Wenn jemand kommt und sagt, „Der ADAC sagt, auch, der XY Reifen ist der Beste …“  naja, dann bieten wir den halt an. Wenn keine Beratung durch uns gewünscht wird – dann ist es mir egal, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Und ein bisschen was ist zumindest dran, an den Testergebnissen des ADAC. Meistens, jedenfalls. Wobei es halt einfach keinen vollkommen objektiven Tester gibt. Ich wär auch keiner. Geb ich ja zu. Jeder hat so seine Vorlieben, und die beeinflussen das Testergebnis – ob man will oder nicht, ob man zu zugibt oder nicht.

Der ADAC hat uns jahrelang Verkaufsargumente für unsere Toyota’s geliefert: mit der Pannenstatistik. Seit etwa 10 Jahren gibts aber Pannenhilfsdienste, die blöderweise auch der ADAC zum Teil als Dienstleister übernimmt – und damit wird die Statistik verändert. Auch die werkseigenen Pannendienste (jeder hat, glaub ich, schon mal ein BMW-Service-Mobil fahren sehen) tun das ihre dazu. Aber daran Kritik zu üben, kommt schon fast einer Gotteslästerung gleich. „Der ADAC ist absolut neutral. Die haben ja nix davon.“ So die Meinung vieler Autofahrer.

Das sieht jetzt ein bisschen anders aus.

Allerdings sind die allermeisten ADAC-Mitarbeiter ziemlich engagiert und ehrlich bei der Sache. An denen werden die Fehler von einigen wenigen Marketingmenschen, die falsche Entscheidungen getroffen haben, jetzt ausgelassen. Nicht gut. Gar nicht gut. Es gibt z.B. Pannenhilfsfahrer, die vom Kfz-technischen Wissen her den allermeisten Werkstattmeistern bei „Premium“-Vertragshändlern weit überlegen sind. Vor denen ziehe ich meinen Hut. Die leisten eine Top-Arbeit und werden jetzt möglicherweise blöd angequatscht. Das haben die Leute nicht verdient.

Vielleicht reformiert sich je der Club neu, konzentriert sich auf das, was er am besten kann: den Autofahrern dabei zu helfen, immer und überall – wo nötig –  sinnvoll mobil zu bleiben. Und was rundum dazu hilfreich ist. Ich werde meine Mitgliedschaft also deswegen nicht kündigen. Auch wenn meine Karte schon seit ein paar Jahren Risse hat …