Abgas-Skandal, gutes Ende?

Vor einiger Zeit hab ich hier mal geschrieben, man sollte doch die Kirche beim Dorf lassen – so schlimm ist die ganze Sache nicht, sie wird halt von den Amerikanern hochgepuscht, um die eigene Industrie zu unterstützen.

Zum Teil muss ich meine Aussage revidieren:

Es ist schon ein ganz schön schlimmer Betrug. Nicht nur das, was sich der VW – Konzern da über alle Marken leistet. Und es bis heute nicht vollumfänglich zugibt, wohl aus wirtschaftlichen Erwägungen. Immer wieder kommt was Neues raus. Aber nie mit Infos vom Hersteller, sondern immer wieder finden Prüforganisationen oder Journalisten irgendwelche weiteren Bausteine. Als letztes: Auch Benzinerfahrzeuge sind offensichtlich  mit Software ausgerüstet, die Prüfstandsbedingungen erkennt und entsprechend auf das Motormanegement einwirkt.

Noch schlimmer aber ist, dass unser Gesetzgeber den Betrug schon seit vielen Jahren kennt – und absolut nichts unternimmt! Nicht nur der ADAC hat in einem offenen Brief schon 2010 darauf hingewiesen, dass manche Dieselfahrzeuge auf der Straße einen vielfach (!!!) höheren Schadstoffausstoss haben als das eigentlich sein sollte und als  erlaubt ist. Nochmal: es ist nicht Rede von den Abweichungen des „Prospektangabenverbrauchs“, der im Strassenverkehrsalltag um 20, 40, von mir aus 100% höher ausfällt  als am Prüfstand ermittelt. Das kann jeder Fahrer auch zum großen Teil durch seine Fahrweise beeinflussen. Hier geht es um mehr: Der Ausstoss einer krebserregenden Substanz (NOx) ist um ein vielfaches, teilweise 1000% und mehr höher, als das der Fahrzeughersteller verspricht!

Begründet wird die temporäre Abschaltung der Abgasreinigung mit halbseidenen Argumenten wie zum Beispiel „Aggregateschonung bei niedrigen/hohen Temperaturen“ (was halt grad in den Kram passt), auch lustig wegen „extrem hoher Belastung“ (über 120km/h). Soso. Aber es wird eben auch erst begründet, seit die US-Umweltbehörde da reingestochert hat! Oder man sucht juristische Finten und Formulierungen, die gleich mal die Tasachen verleugnen und verniedlichen.

Die Presse berichtet immer öfter so wie hier: Das Märchen vom sauberen Diesel

Keineswegs ist das so, dass die Sache nicht technisch beherrschbar/lösbar wäre. Nur: die Regierung hat die Industrie vor höheren Kosten zu Lasten der Abgasqualität verschont. Das ist die eigentliche, riesige Sauerei. Wenn der aktuelle Verkehrsminister Dobrindt derzeit darauf angesprochen wird, gibt er einfach keinen Kommentar ab. Normalerweise   müsste der Gesetzgeber die entsprechenden Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen, die Betriebserlaubnis entziehen – das wird aber nicht gemacht. Aber wehe, jemand hat auf einem Auto nicht ordnungsgemäss abgenommenes Zubehör. Da reichen schon Scheibentönungsfolien, um jemand aus dem Verkehr zu ziehen.

Auffällig: japanische Hersteller sind, wenn überhaupt, nur mit Fahrzeugen als Betrüger dabei, wenn die Autos rein in Europa entwickelt wurden und mit europäischen Zuliefererteilen gebaut werden. Die trauen sich nicht – sind halt alte Samurai mit Ehre …

Was aber passiert jetzt? Ich gehe ziemlich fest davon aus, dass es sich der Volkswagen-Konzern zukünftig nicht mehr erlauben wird, zu betrügen wie bisher. So gesehen, ein Gewinn für  Umwelt und Menschen. Vor allem, wenn die Verbraucher dadurch drarauf kommen, dass es wirklich wesentlich weniger umweltschädliche Alternativen gibt. Heute schon.

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#dieselgate Leute, lassts die Kirche mal im Dorf.

Was ist denn das für eine Hetzjagd derzeit auf VW? Die VW-Leute sind ja naturgemäss nicht meine besten Freunde, ich find auch die Autos alle zusammen ziemlich fad. Und in Sachen Umweltschonung von Beginn der Produktion inklusive Rohstoffherstellung bis zur Fahrt eines jeden Kilometers auf der Strasse gibts meiner Meinung nach nichts sinnvolleres als ein Toyota Vollhybridauto. Aber dennoch: den Ansturm unserer westlichen „Lügenpresse“ hat der VW Konzern nicht verdient.

Die haben einen Fehler gemacht, klar. Mit falschen Schadstoffwerten trickst man nicht. Man versucht auch gefälligst nicht, durch technische Tricks gesetzliche Vorschriften zu umgehen. Basta. Da kommen sogar die US-Amerikaner drauf, die ansonsten nicht grad die Umweltengel sind.

Nochmal zum Betrug: Das soll auch bestraft werden – aber müssen da gleich Milliardenwerte vernichtet werden, zumindest als Börsenwerte? Ist jetzt laut unserer Presse die Abgastrickserei die wichtigste Sache der Welt? Griechenland ist gar kein Problem mehr? Hätte man dort die Milliarden nicht sinnvoller versenkt als an der Börse, wenn die Kohle schon verbrannt werden muss?

Was genau ist denn jetzt passiert? ist irgendjemand dadurch zu Schaden gekommen, bewiesenermassen? Jaja, die höheren Emissionen … aber wie relevant sind die wirklich im Vergleich zu einer ordentlichen Grillfeier mit Holzkohlebriketts und Grillanzünder? Das soll jetzt die Angelegenheit nicht „kleinreden“, aber es gibt schon wesentlich größere Umweltverschmutzer, die bei weitem nicht so an den Pranger gestellt werden.

Ein kleines bisschen „genchi genbutsu“, zur Quelle gehen: wer hat denn von dieser Geschichte einen Vorteil? Schaut irgendjemand an der Börse, wer die VW-Aktien, die ja jetzt ganz kurzfristig wesentlich billiger zu haben sind, derzeit kauft? Oder wer hinter den Käufern steht? Oder wer durch Optionshandel in den Wochen zuvor sich jetzt eine goldene Nase „verdient“?

Was ich nicht glaube: dass der VW Konzern durch einen Mitbewerber angeschwärzt wurde. Die wissen doch alle voneinander, mit welchen Kniffen der Mitbewerber sein neues Auto ausgerüstet hat. Auf jeden Fall spätestens ein paar Tage nach Marktstart: ich habs selbst mal mitbekommen, wie von BMW ein nigelnagelneuer Lexus zerlegt wurde, um an die „Geheimnisse“ zu kommen. Also wird da nicht eine Krähe der anderen …  und überhaupt versucht die Presse ohnehin schon, auch anderen Fahrzeugherstellern einen „Betrug“ nachzuweisen.

So sehe ich das: In Europa muss ein Auto, damit es die Zulassungskriterien erfüllt, bei einem exakt beschriebenen Testablauf auf einem Rollenprüfstand bestimmte Emissionswerte erfüllen. Genau das wird geprüft- und nicht, was das Auto im Strassenverkehr ausstösst. Und genau dafür optimieren die Hersteller die Steuerungssoftware – wenn das Auto aus dem „Fenster“ des Prüfzyklus fährt, wird es nicht mehr mit dem „Prüfstands“, sondern mit dem „Alltagsprogramm“ betrieben. Die Auswirkungen sieht man ohnehin überall: die Differenz zwischen EU-konform ermitteltem Verbrauchswert und tatsächlichem Verbrauch (siehe z.B. Spritmonitor.de) steigt von Jahr zu Jahr und bei jedem neuen Modell, weil die Hersteller die Programmierung immer extremer auslegen. Damit begeht keiner einen Betrug! Der entsprechende Hersteller erfüllt die Zulassungskriterien. Nicht mehr, nicht weniger. Allerdings gibt es auch in Europa in der EU-VO 715/2007 über die Typgenehmigung von Kraftfahrzeugen die Forderung: „Die Verwendung von Abschalteinrichtungen, die die Wirkung von Emissionskontrollsystemen verringern, ist unzulässig.“ Wenn das der Fall in Europa sein sollte, dann könnten die mit dieser Software ausgerüsteten Autos ihre ABE verlieren. Das wird sich zeigen – und in dem Fall wird der Skandal natürlich noch viel größer.

Jetzt ist die Politik gefragt, neue, bessere, sinnvollere Regelungen und Vorschriften zu finden! Die haben aber keine Ahnung und sind ganz offensichtlich nicht fähig, sich vorzustellen, was ein Unternehmen macht, um einen möglichst hohen Ertrag zu generieren. Es sollten in der Politik doch auch ausser Ex-Beamten Leute zu finden sein, die mit ein bisserl gesundem Menschenverstand an die Ausarbeitung von Vorschriften herangehen. Einfach und praxisnah.

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