Hören die nicht zu?

Es ist tatsächlich erstaunlich. Da gibt es heutzutage fast unbegrenzte Möglichkeiten, per Web-Monitoring und Umfragen direkt beim Verbraucher abzufragen, was er für Bedürfnisse gestillt haben möchte. Und was ihm weniger oder gar nicht wichtig ist.

Dennoch werden Technologien entwickelt, die fast niemanden interessieren – oder denen die Menschen sogar ablehnend gegenüber stehen. Und Dinge, die gekauft werden würden, interessieren offensichtlich keinen Entwickler.

Das betrifft auch die Autobranche.  Nur sehr wenige Leute wollen eine Sensor- und GPS-überwachte Nachverfolgung ihrer Fahrten. Warum wird so etwas dann am Markt eingeführt? Naja, die Pflicht, den sogenannten „E-Call“ einzuführen, hat ja den EU den Herstellern auferlegt. Wenn man schon ein GPS-Modul einbauen muss, dann überlegen die Autofirmen natürlich, wie man die anfallenden Daten für eigene Zwecke nutzen kann. Und denen fällt da natürlich einiges ein, auch den Versicherungen – Stichwort „Überwachung der Fahrgewohnheiten“.

Warum aber versucht man, statt deutlich unterschiedliche Fahrzeuge zu bauen, möglichst viele Funktionen der Smartphones ins Auto zu übernehmen? In dieser Richtung haben die Leute von Google und Apple schon einige Jahre lang entwickelt und haben einen Vorsprung, den die Autoleute bestimmt nicht einholen können.

Warum hört man also nicht auf die Kunden und baut ein einfach bedienbares Fahrzeug mit attraktiver Karosserie und Innenraum, das umweltfreundlich angetrieben wird und preiswert angeboten werden kann? Wer sich Infotainment-Schnickschnack kaufen will, kann das ja vielleicht am einfachsten und besten tatsächlich über ein angeschlossenes Smartphone machen! Dann hat der Technologie-Freak auch alle paar Jahre (oder Monate?) immer das neueste Gerät – ein Auto muss ja doch für eine wesentlich längere Zeitspanne gebaut und haltbarer sein als ein Telefon.

Aus meiner Erfahrung: bisher hat sich bei uns kein Mensch ein Auto wegen des supertollen Navigationssystems gekauft. Eher passierts, dass ein Auto nicht gekauft wird, wenn es gar kein solches Angebot gibt. Nicht einmal Online-Werkstattdienste werden von der überwältigenden Mehrheit der Kunden genutzt.

Gut, vielleicht ist jetzt das ländliche Niederbayern nicht repräsentativ für den europäischen Markt. Aber wir liegen immer irgendwie im Schnitt. Wenn man mit Leuten spricht, gibt es wenige, die der Meinung sind, dass ihre Fahrgewohnheiten ruhig beim Hersteller gespeichert werden können. Das wird – in Sachen Datenschutz – ohnehin spannend. Ist die E-Call-Pflicht höher anzusehen als der Datenschutz in diesem Bereich? So, denke ich, wird das wohl mal interpretiert werden.

Aber, worüber man täglich mit den Auto-Fahrern und -interessierten spricht: Warum hat der XY so eine komische Form? Warum ist der Einstieg nicht bequemer, geht bequem wirklich nur mit einem sogenannten SUV? Warum ist der Kofferraum so unpraktisch? Warum gibts keinen Schutz der Lackierung, wenn mal auf dem Parkplatz der Nachbar die Türe dagen haut? Wo bleibt die echte Allwetter-Einsatzsicherheit durch einen einfachen Allradantrieb zum Preis eines Winterreifen-Satzes, wie es der Herr Piech vor Jahrzehnten angekündigt hatte? Warum gibts keine schöne Farbe? Warum kann ich mir die Farbe der Polster nicht aussuchen oder die Dinger preiswert austauschen? Warum hat das Auto keine Folie im Kofferraum, damit der Hund die Stoßstange beim Einsteigen nicht verkratzt?

Und auch ganz wichtig: Fahreigenschaften, die sich von anderen Fahrzeugen unterscheiden -also leiser, reaktionsschneller, haltbarer oder mit mehr Bodenfreiheit z.B. für einen Jäger. Individueller, je nachdem, worauf der Nutzer Wert legt. Die Hersteller können das, das haben sie in den vergangenden Jahrzehnten bewiesen!

Aber jetzt bauen sie alle mehr oder weniger absolut vergleichbare Vehikel. Gleich unpraktisch, in jeder Fahrzeugklasse sehr ähnlich geformt. Alle mit der gleichen Zielrichtung, alle werben mit ihrer ach-so-tollen Connectivity und kabellosen Ladeschalen. Und hören meiner Meinung nach eben nicht zu, was die Menschen wirklich wollen: Autos, die ein echtes, individuelles Fahrerlebnis bieten. Die Geschichte mit der Ladung sollten gefälligst die Smartphonehersteller lösen.

 

 

ADAC – Affäre: Täter, blöd gelaufen oder Opfer?

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Die Oberfläche hat zumindest Risse bekommen:

Der ADAC betrügt! Egal, ob jetzt die Endergebnisse der Leserwahl auch mit „ungehübschten“ Zahlen von der Reihenfolge her so passen oder nicht: es wurde nicht die Wahrheit gesagt und geschrieben.

Warum? Weil man mit einer Beteiligung von „nur“ einigen tausend Mitgliedern sich schämt? Oder der Industrie was anderes vorgegaukelt hat? Oder, für mich am wahrscheinlichsten: weil sich sonst der Rest der deutschen Autopresse lächerlich macht über den ADAC.

Heutzutage, wo jeder Facebook-Teilnehmer eine Umfrage einstellen kann, zur Abstimmung, wie Tante Ernas neuer Kanarienvogel heissen soll – und sich daran schon oft ein paar hundert Leute mit einbringen. Da bringt ein Club mit (angeblich) über 18 Millionen Mitgliedern grad mal ein paar tausend Leute zusammen, die bei einer Leserwahl mitmachen, wo es noch dazu was zu gewinnen gibt?

Ganz ehrlich: am Ergebnis würde sich auch bei wesentlich höherer Beteiligung kaum etwas ändern. Der Durchschnitt wählt halt einfach den Durchschnitt. Das hätten viele Statistiker auch so vorhergesagt. Wenn man sich das aber nicht zu sagen traut …  tja, blöd gelaufen.

Ich bin persönlich nicht der allergrößte Fan des ADAC. Auch brauch ich ihn (hoffentlich) nicht als Pannenhelfer, weil ich ja Toyota fahre. Was ich mal vom Club bekommen habe, ist eine vergünstigte Rennfahrerlizenz. Und ein Urlaubs-Planungs-Paket mit Landkarten. Jaja, schon ein paar Jahre her.

Definitiv muss man als Berater in unserer schönen Auto-Branche aber schon wissen, was der ADAC zum Beispiel in Sachen Reifentest empfiehlt. Weil die Leute sich einfach da drauf verlassen. Ob wir davon überzeugt sind und unsere Kunden damit beste Erfahrungen gemacht haben, steht auf einem ganz anderen Blatt. Wenn jemand kommt und sagt, „Der ADAC sagt, auch, der XY Reifen ist der Beste …“  naja, dann bieten wir den halt an. Wenn keine Beratung durch uns gewünscht wird – dann ist es mir egal, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Und ein bisschen was ist zumindest dran, an den Testergebnissen des ADAC. Meistens, jedenfalls. Wobei es halt einfach keinen vollkommen objektiven Tester gibt. Ich wär auch keiner. Geb ich ja zu. Jeder hat so seine Vorlieben, und die beeinflussen das Testergebnis – ob man will oder nicht, ob man zu zugibt oder nicht.

Der ADAC hat uns jahrelang Verkaufsargumente für unsere Toyota’s geliefert: mit der Pannenstatistik. Seit etwa 10 Jahren gibts aber Pannenhilfsdienste, die blöderweise auch der ADAC zum Teil als Dienstleister übernimmt – und damit wird die Statistik verändert. Auch die werkseigenen Pannendienste (jeder hat, glaub ich, schon mal ein BMW-Service-Mobil fahren sehen) tun das ihre dazu. Aber daran Kritik zu üben, kommt schon fast einer Gotteslästerung gleich. „Der ADAC ist absolut neutral. Die haben ja nix davon.“ So die Meinung vieler Autofahrer.

Das sieht jetzt ein bisschen anders aus.

Allerdings sind die allermeisten ADAC-Mitarbeiter ziemlich engagiert und ehrlich bei der Sache. An denen werden die Fehler von einigen wenigen Marketingmenschen, die falsche Entscheidungen getroffen haben, jetzt ausgelassen. Nicht gut. Gar nicht gut. Es gibt z.B. Pannenhilfsfahrer, die vom Kfz-technischen Wissen her den allermeisten Werkstattmeistern bei „Premium“-Vertragshändlern weit überlegen sind. Vor denen ziehe ich meinen Hut. Die leisten eine Top-Arbeit und werden jetzt möglicherweise blöd angequatscht. Das haben die Leute nicht verdient.

Vielleicht reformiert sich je der Club neu, konzentriert sich auf das, was er am besten kann: den Autofahrern dabei zu helfen, immer und überall – wo nötig –  sinnvoll mobil zu bleiben. Und was rundum dazu hilfreich ist. Ich werde meine Mitgliedschaft also deswegen nicht kündigen. Auch wenn meine Karte schon seit ein paar Jahren Risse hat …