Kein Beweis nötig. Hybrid Teil 2

Das kommt natürlich immer drauf an, wen man überzeugen will. Oder muss. Es gibt ja da ein politisches Trampeltier, das den Umweltschutz – so, wie ihn die restliche Welt versteht – auf irgendeine andere Art und Weise sicherstellen will. Hab ich heute gehört.

Auf jeden Fall und aus eigener Erfahrung ist es ein unglaublich gutes Gefühl, ohne laufenden Verbrennungsmotor z.B. im Stop- und -Go – Verkehr mitzuschwimmen. Macht irgendwie das Gewissen ein bissl sauberer, wenn man nicht in so einer stinkenen Dieselkiste sitzt.

Und, noch dazu, wenn das Gefährt über viele Jahre zuverlässig funktioniert, ohne Ausfälle oder Mucken. Damit nochmal zur häufigsten Hybridautofrage:

Wie lange hält die Batterie?

Es braucht keinen Beweis für die Haltbarkeit – weil es, mit dem jährlichen Hybridcheck, von Toyota in Europa 10 Jahre Garantie auf den Akku gibt!

win_20170602_11_07_57_pro.jpgOhne allzuviel Kleingedrucktes – einfach selber mal lesen.

Dann kommt oft die Frage:

Und wenn die Batterie dann doch mal kaputtgeht – was kostet die dann?

Ich hab das mal rausgesucht für einen Prius II: 1823,41 € inklusive Mehrwertsteuer, Preisstand 02.06.2017.

Das ist in etwa der Bereich, den viele Fahrer deutscher Premiumfabrikate mit Kompressionszündungszerknalltreibling für einen sogenannten Turbolader ausgeben – und zwar mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit, innerhalb der 10 Jahre.

Also auch im Falle eines Falles bei einem alten Auto gar nicht sooo tragisch. Wir reden schliesslich von einem Toyota Hybridauto – und nicht von einem relativ kurzlebigen Elektrofahrzeug.

Darum, und das ist eine weitere, häufig gestellte Frage, ist auch kein Ladeanschluss draussen am Bürgersteig notwendig. Weil so ein Fahrzeug sich immer und aussliesslich selbst auflädt – beim Bremsen, Rollen, Bergabfahrt oder einfach durch den sauberen Benzinmotor.

Wieso der Benzinmotor sauber ist?

Na, einfach weil der immer so betrieben wird, dass sich das Verhältnis Leistung/Verbrauch/Schadstoffausstoss immer in einem optimalen Bereich befindet. Nicht mit zu wenig und nicht mit zu viel Drehzahl. Ohne Turbolader, Direkteinspritzung oder andere empfindliche und emissionsfördernde Bauteile.

Wie der das kann? Durch das Planetengetriebe, das von Toyota auch THS-Kraftweiche genannt wird und schlichtweg genial und extrem haltbar konstruiert ist.

Wie das funktioniert?

Ich wollte jetzt grad ein kleines Video hochladen, merke aber, dass mein WordPress-Account das nicht zulässt. Mal überlegen, ob ich jetzt dafür zahle, Youtube nutze – oder gibts was anderes, kann  mir jemand helfen?

 

Jede Menge keine Ahnung. Hybrid. Teil 1.

Nach zwei Tagen Verbraucherinformation am 26. und 27. Mai bei der Möbel Wanninger Autoschau in Straubing sind zwei Erkenntnisse in mir gereift:

  1. Gefühlt über 80% der Autofahrer haben keine Ahnung, wie einfach sich ein Vollhybrid-Antrieb im Alltag darstellt.
  2. Sie haben Angst davor!!

Woher kommt das? Die besten, und die allermeisten Vollhybridautos baut Toyota. Und Toyota hat einen Marktanteil in Deutschland von ungefähr 2,5 %. Wenn ich jetzt realistisch davon ausgehe, dass etwas weniger die Hälfte „unserer“ Kunden diese Technik schon richtig kennengelernt haben, dann wissen etwa 99% der Autofahrer gar nicht, wovon ich rede. Und unsere Wettbewerber mit ihrer Markt-Übermacht machen alles, damit das auch so bleibt. Natürlich gibt es Anforderungen, für die der Vollhybridantrieb weniger oder sogar gar nicht geeignet ist – aber für die allermeisten Leute passt das!

Eigentlich muss man nur zwei Dinge wissen, wenn es stimmt, dass der „Bauch“ die Kaufentscheidung so massgeblich beeinflusst, mehr Argumente  brauchts nicht:

  • Ein Vollhybridauto zu fahren ist weniger anstrengend und weniger schwierig als andere Autos durch die Gegend zu lenken.
  • Es ist sicherer und problemloser als alles andere in Sachen Auto, was ich kennenlernen durfte.

Aber irgendwie reicht das als Kaufargument doch nicht. Oder, man glaubt mir das nicht. Ich würde nicht selbst seit so vielen Jahren mit Hybridautos rumfahren, wenn das nicht vernünftig funktionieren würde. Zur Verdeutlichung: schon vor ca. 15 Jahren ging unser Familienurlaub mit Prius, Kinder und Klamotten über kleine Bergpässe und einfach schöne Landstraßen nach Istrien.

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Wenn ich der Technik nicht vertraut hätte – eine Reparatur wär dort damals ziemlich sicher nicht möglich gewesen. Das Auto damals – einer der allerersten Prius II – war übrigens exakt das Auto, mit dem die AutoBild damals den Marathon-Test vom Nordkap nach Gibraltar gemacht hat. Ich hatte das Auto aus dem Pressefuhrpark von Toyota Deutschland gekauft und dann weiter getestet – ohne irgendwelche Ausfälle oder Auffälligkeiten natürlich.

Zurück zur Gegenwart: Helfen vielleicht rein rationale Argumente für den Hybridantrieb, kann man damit Menschen zu ihrem Fahrzeug-Glück zwingen?

Ein paar Dinge, die ich von den Leuten in den letzten Tagen immer wieder gehört habe:

  • Wie lange hält die Batterie bei einem Hybridauto?
  • Was kostet die Batterie?
  • Was soll das mit dem Hybrid überhaupt bringen?
  • Ich hab keine Lademöglichkeit
  • Sind zwei Motoren nicht viel schwerer und anfälliger?
  • Warum gibts den nur mit diesem CVT-Getriebe, das ist ja so eine seltsame Technik
  • Der darf sicher nur weniger zuladen, weil die Batterien so schwer sind

Ganz Pauschal kann man zu jedem Punkt mit „kein Problem“ oder „stimmt nicht“ antworten.

Ich werde aber in der nächsten Zeit auf alle diese Punkte, und vielleicht noch ein paar mehr, hier eingehen. Das werden mehrere Folgen hier im Blog werden – alles aus meiner Sicht, mit nun 17 Jahren Hybridauto-Erfahrung. Wenn ich auf einen Punkt  nicht ausführlich genug eingehe – einfach schreiben oder kommentieren, wir reden drüber!

Die häufigste Frage:

  • Wie lange hält die Batterie?

hat die einfachste Antwort:

  • so lange wie das Auto.

Warum fragen das so viele Leute? Ich denke, weil man aus allgemeiner Lebenserfahrung gelernt hat, wenn eine Batterie oder ein Akku nicht mehr funktioniert, muss man das Ding wegschmeissen und für relativ viel Geld ein neues Teil kaufen.

Daher also der Faktor Angst – also wirtschaftliche Unsicherheit. Jede Batterie, jeder Akku geht irgendwann kaputt, egal ob Taschenlampe, Mobiltelefon oder Transistorradio (gibts sowas eigentlich noch?)

Bisher, bis heute, haben wir bei rund zweihundert im Kundenstamm laufenden Toyota- und Lexus-Vollhybridautos nicht eine einzige Batterie gewechselt.

Warum ist das so?

Es gibt einige Faktoren, die hier zusammentreffen.

Der wichtigste wird die Laderegelung sein:

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Die sorgt dafür, dass der SOC (Ladezustand) des Nickel-Metallhydrid-Hybrid-Akkus immer in einem relativ kleinen, begrenzten Bereich bleibt (zwischen etwas mehr als 50% bis ca. 80% der maximalen Kapazität des Akkus). Diese Regelung sorgt dafür, dass sich die Zyklenfestigkeit des Akkus um etwa den Faktor 3 erhöht. Hab ich gelesen – wenn es jemanden gibt, der das genauer erklären kann – immer gerne her damit!

Ein weiterer Faktor ist aus meiner Sicht das Wettbewerbsumfeld: Toyota war und ist hier der führende Hersteller und Pionier dieser Technik. Wie gerne würden die Wettbewerber einen Konstruktions- oder Serienfehler finden und über die neutrale Presse verteilen! Das wissen die Konstrukteure bei Toyota sehr genau und legen darum bei der Produktion der Hybridautos die Latte mit zusätzlichen Qualitätskontrollen und überwiegender Eigenfertigung der Komponenten (hier bei der Batterie: Joint-Venture-Unternehmen) so hoch, dass die Wettbewerber andere Fabriken mit anderen Abläufen bauen müssten, um einen ähnlichen Qualiätsstandard zu erreichen. Das gilt übrigens nicht nur für die Batterie.

Die Profiteure davon sind ausnahmsweise wir Verbraucher: da geht einfach nix kaputt.

Jetzt hab ich schon über 700 Wörter geschrieben, das sind für einen Sonntagmorgen viel genug. Die nächste Folge folgt demnächst, erstmal gehts jetzt zum Autoslalom – Fahrspass geniessen, ausnahmsweise ohne Hybridantrieb. Weil: die Hybrid’ler sind vom Reglement her ausgeschlossen. Sonst würde ich mit einem Yaris Hybrid im nationalen Slalom-Clubsport dabei sein.

 

Wenn alles Neue alt aussieht.

Das Jahr 2017 hatte für mich seinen ersten Höhepunkt am siebten Tage. Direkt biblisch, oder? Was passiert ist:

Ich hatte überraschend die Gelegenheit, die Zukunft des Autofahrens selber zu fahren – das erste richtige Brennstoffzellenauto, den Toyota Mirai ! Ganz normal im Strassenverkehr im Raum München. Bei keineswegs optimalen Straßenbedingungen, halt im richtigen Leben.

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Dafür bedanke ich mich ganz herzlich bei Herrn D. P. von der Toyota – Versicherung, der mir diese Möglichkeit verschafft hat! Ich hätte nicht damit gerechnet, hatte es letztes Jahr auch einige Male bei Toyota Deutschland versucht – aber so eine Vertriebsabteilung ist ja schliesslich nicht dafür da, sich die Zeit mit mir zu vertreiben.

Wie wars? Als erstes verblüffend unspektakulär. Obwohl es der bisher kälteste Tag des Winters war, funktioniert die Technik ganz einfach. Das Auto ist von seiner Aussenansicht her klar anders als gewohnt – das schadet aber nichts. Fahrer und bis zu 3 Beifahrer sind bestens untergebracht und haben alle Sitzheizung sowie reichlich Platz. Es gibt sogar so etwas wie Rundumsicht, man fühlt sich auf Anhieb wohl.

Die Bedienung ist für jemanden, der ein Toyota Hybridauto kennt, ohne irgendeine Anweisung oder Studium einer Anleitung völlig problemlos und selbsterklärend. bei getretener Bremse auf den Startknopf drücken, Wählhebel auf „D“ – und los geht die wilde Fahrt!

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Wobei …  überraschend „wild“ ist die Beschleunigung, der Mirai geht richtig gut ab, auch bei höheren Geschwindigkeiten (im erlaubten Rahmen). Ungewohnt und unglaublich angenehm: es kommt keinerlei Geräusch an meinen Ohrwascheln an, nur Reifenabrollgeräusche. Deutlich leiser als z.B. ein kürzlich gefahrener Nissan Leaf. Ein Prius hat ähnliche Fahrleistungen, da kommt halt immer bei erhöhter Leistungsanforderung der Benziner dazu. Das bin ich jetzt seit 16 Jahren so gewohnt – Zeit, wieder was Neues zu erleben, oder?

Wenn wir grad beim Vergleich sind: als ich den Leaf gefahren habe, sagte mir das Fahrzeug-System, mein in 65km Entfernung liegendes Ziel ist möglicherweise nicht erreichbar (obwohl ich das Auto unmittelbar von der Ladesäule abgeholt habe. Kälte und Heizung machen den Elektroautos schwer zu schaffen). Der Mirai dagegen war nicht frisch betankt und hatte immer noch 270km Reichweite. Kein Problem, das Auto auch bei sehr niedrigen Temperaturen zu nutzen.

Im Raum München gibt es derzeit 3 Wasserstoff-Tankstellen, die allerdings alle  mit weniger Abgabedruck arbeiten, als der Mirai verträgt. Er könnte sogar über 500km weit kommen – von entsprechend ausgerüsteten Tankstellen betankt.

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Nochmal zum Fahren: wenn die Zukunft so wird, kann sie gerne kommen. Man fährt mit dem Mirai selbstbestimmt, mit gutem Schadstoff-Ausstoss-Gewissen und viel Komfort. Sogar sowas wie Fahrspass kommt auf. Gut, man müsste das mal bei einem Winterfahrtraining ein bissl intensiver probieren. Die Toyota – Versicherung ist, wie schon öfter mal, hier ein absoluter Vorreiter und sammelt schon einmal Erfahrungen mit neuester und optimal umweltverträglicher Technik. Klar wollen und müssen die auch damit Geld verdienen – aber wenn solche Aktionen Vorteile für alle Leute bringen, warum denn nicht?

Wenn jetzt jemand Lust bekommen hat, den Wasserstoffantrieb selbst zu erleben: meldet Euch bei mir. In einem gewissen Rahmen wird es schon möglich sein, sich das Auto anzusehen und zu erleben. Ich bin gespannt, ob es bei uns – oder unter meinem hochverehrten Bloglesern – Leute gibt, die mit in eine positive Individual-Mobilitäts-Zukunft schauen wollen.

 

Vergleichstest mal anders.

Normalerweise werden immer Produkte verglichen, die den gleichen oder ähnlichen Zweck erfüllen, ähnlich aufgebaut sind und für eine ähnliche Menge des Tauschmittels Geld erhältlich sind. Bei Autos ist das nicht anders.

Einen Autovergleich der etwas anderen Art hatte ich letzte Woche: von Neukirchen nach Karlsruhe und wieder zurück, jeweils rund 400km.

Eine Wegstrecke mit einem neuwertigen Toyota Aygo – die andere mit einem 19 Jahre alten Lexus GS300.

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Geht gar nicht zu vergleichen? Doch, ich find schon. Die Fahrzeit war mit beiden Autos fast genau gleich. Und darum gehts doch eigentlich, von A nach B zu kommen, oder etwa nicht?

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Viele sagen, für weite Strecken braucht man einen ordentlich motorisierten, schweren Wagen mit viel Komfort. Der Lexus hat einen 3-Liter-6-Zylinder unter der Haube, mit Automatikgetriebe, Heckantrieb und einem höchst komfortablen Fahrwerk.

Damit unterwegs, vergisst man sofort, dass dieses Gefährt schon 19 Jahre und knapp 300000 km auf dem Buckel hat. Die Lederausstattung ist noch einwandfrei, jede der ungefähr 19 Sitzverstellungsoptionen funktioniert noch absolut perfekt, natürlich elektrisch. Das Soundsystem mit vielen Lautsprechern sorgt für Unterhaltung an Bord, weil man den Motor ohnehin fast nicht hört. Da quietscht und knarzt nichts, dieses Auto ist scheinbar für die Ewigkeit gebaut.

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In Sachen Antrieb sehr deutlich zu unterscheiden: der Aygo mit seinem Motor mit grad mal einem Drittel des Hubraums (1,0 Liter) und der halben Zylinderanzahl des Lexus.

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Der Aygo erreichte bei meiner Testfahrt die höhere Endgeschwindigkeit – zwar hauptsächlich verkehrsbedingt, aber man fühlt sich in dem modernen Kleinwagen auch bei „Tacho über 170 bergab“ immer noch gut aufgehoben. Etwas lauter als im Lexus zwar, aber – dafür mit Wunschmusik per Bluetooth-Audiostreaming und auch am Telefon jederzeit und legal erreichbar dank Freisprecheinrichtung.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, welcher wär mir lieber? Schwierig, aber die Tendenz geht zum Aygo. Das Ding reicht wirklich! Und passt auf jeden Parkplatz. Nebenher hat er grad mal, wie schon erwähnt, bei identischer Reisezeit, nur die Hälfte Kraftstoff verbraucht wie der Lexus.

Für den Lexus spricht natürlich der Komfort, der Audio-Sound und das Fahrgefühl, dass einfach eine gewisse Überlegenheit vermittelt. Und, verkehrte Welt, der Preis: der Lexus kostet gerade mal ein Viertel des Aygos! Wirklich! So ein neuer oder neuwertiger Aygo kostet um oder knapp unter 10000€, der Lexus unter 2500€. Da kann man mit dem Geld einiges an Sprit verbrennen, bevor alles die Chinesen kriegen …

Uitwaaien.

Das Wort ist angeblich holländisch und bedeutet etwa „Eine Pause machen, um den Kopf frei zu bekommen“.

Das mach ich doch gerne. Es reicht auch eine kurze Pause. In dieser Pause hab ich in die AutoBild Nr.6/2016 und in den DAT-Report 2015 geschaut. Erst nacheinander, dann gleichzeitig vergleichend. Das musst erstmal in den Kopf reinbekommen.

Den unglaublich großen Unterschied zwischen Wunsch (Journalisten – Berichte in der AutoBild) und Wirklichkeit (Befragung von 4000 Endverbrauchern im DAT-Report).

So legen die Tester der Automagazine seit geraumer Zeit größten Wert auf die sogenannten „Assistenzsysteme“ -laut dem DAT-Report kennen aber gerade einmal 56% der Autofahrer die sicherlich noch weit weniger zahlreichen technischen Funktionen ihres jetzigen Autos!

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Die vielfältigen Möglichkeiten muss man erstmal kennenlernen- und sich dann auch noch merken können! Gar nichts hilft, wenn man zum Händler fährt und sich das „nervige Gepiepse“ vom Spurwechselwarner deaktivieren lässt. Dann geht das Ding auch in einer Gefahrensituation nicht mehr. Wozu hat mans dann gekauft?

Jetzt sitze ich täglich in verschiedenen neuen Autos und es ist mein Job,- zumindest gehört es nach meinem Verständnis definitiv dazu-, mich damit möglichst perfekt auszukennen und die Bedienung zu beherrschen. Jetzt lacht mich nicht aus, aber manchmal wird es schon kompliziert, ein 10 Jahre altes Navigationssystem eines Gebrauchtwagen zu erklären. Wie soll jetzt jemand, der im Schnitt pro Tag gerade mal eine halbe Stunde im Auto verbringt (14350km statistische Durchschnitts-Fahrleistung pro Auto lt. DAT-Report, bei 60km/h Durchschnittsgeschwindigkeit und 360 Tagen pro Jahr) sich die Bedienung der Systeme überhaupt einprägen können?

In vielen Kundengesprächen wird mir das immer wieder bestätigt: etliche Funktionen der umfangreichen Komfort- und Sicherheitsausstattungen der modernen Autos werden gar nicht genutzt. Wozu wird’s dann gekauft? Regelmässig oder immer genutzt werden Helfer, die man in maximal 15 Sekunden erklären kann – nur dann ist es möglich, das Ding während der Fahrt auch mal zu „probieren“. Wenn man zur Benutzung stehenbleiben muss oder es zuhause in der Garage üben, dann hat es keinen Sinn. Denn es wird kaum genutzt werden.

Noch dazu, wenn es zumindest zeitweise mehr nervt als nutzt. Was mir selbst passiert ist: ich bin auf einer meiner Hausstrecken mit einem Auto etwas flotter unterwegs gewesen, das mit einem Spurwarner und Müdigkeitserkennung ausgerüstet ist. Nach einem ca. 3km langem Strassenstück, auf dem eine Kurve der anderen folgt und es keine 100m geradeaus gibt, erschien im Display die Warnung: „Achtung! Sie sollten eine Pause einlegen, sie werden müde“. In meiner ersten Reaktion habe ich den elektronischen Hanswurst gleich mal ordentlich beschimpft, es war ihm aber egal. Er warnte weiter. Nach ein bisschen nachdenken und rumprobieren habe ich festgestellt, dass von dem System ein oftmaliges Korrigieren der Fahrspur in Verbindung mit immer wiederkehrenden Fahrspur-Fehlern als Müdigkeit interpretiert wird. Ich bin aber einfach nur flott unterwegs gewesen und hab die Toleranzen meiner Fahrspur ausgenutzt.

Bitte nicht falsch verstehen: wenn so ein System hilft, auch nur einen Unfall zu vermeiden, dann ist seine Existenz berechtigt. Wenn man aber damit nicht umgehen kann – wie soll es dann helfen können?

Nun sind solche Gerätschaften in modernen Neuwagen eingebaut, die oft – zumindest sollte es so sein – von einem Sach-Verständigen Menschen (Auto-Verkäufer, Berater) des Herstellers an seinen Benutzer/Besitzer ausgeliefert werden und dabei die Funktionen korrekt erklärt werden. Was aber passiert, wenn dann z.B. der 18 Monate alte Mietwagen von einem „Allemarkenhändler“ zu einem privatmarktgerechten Preis an einen privaten Benutzer ausgeliefert wird? Wir erfahren es oftmals, dass die frischgebackenen Autobesitzer nicht einmal wissen, wo der Tankdeckel zu öffnen geht. Wenn das schon nicht erklärt wird (oder erklärt werden kann), wie soll dann der stolze Inhaber eines günstig erworbenen EU-Fahrzeugs aus seiner dänisch-sprachigen Betriebsanleitung herauslesen können, wie ein Abstandstempomat richtig bedient werden soll?

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Ohje, liebe Autoindustrie. Ich glaube, ihr überfordert einen großen Teil Eurer Kunden. Die haben den Kopf dann nicht mehr frei, um sich auf den Straßenverkehr konzentrieren zu können. Aber ich weiß ja, ihr braucht den Umsatz aus dem Ersatzteilgeschäft, um eure Händler am Leben zu halten … aber das ist wieder eine andere Geschichte Weiterlesen „Uitwaaien.“