eCall. Sichere Zukunft oder BigBrother?

eCall – Notrufsystem. Ab 2018 Pflicht.

DSCF1129Der automatische Hilferuf eCall wird Pflicht. Schon bald – ab 2018 müssen alle Neuwagen damit ausgerüstet werden.

Wofür ist das gedacht?

Im Falle eines schweren Unfalls (ausgelöster Airbag) wird automatisch eine Verbindung zur Notrufzentrale hergestellt. Der aktuelle Standort des Autos wird mitgeteilt und eine Sprechverbindung zur Zentrale hergestellt. Weitere Daten sollen übermittelt werden, z.B. die durch Sensoren festgestellte Anzahl der Fahrzeuginsassen, die Antriebsart des Autos – und vielleicht noch mehr?

Das System wird nicht durch den Fahrer deaktivierbar sein. Es soll aber auch „manuell“ ausgelöst werden können, durch die Fahrzeuginsassen. Also ein GPS-Ortungssystem mit Sprachverbindung und Datenverbindung, das auch Fahrzeugdaten – wohin auch immer – übermitteln kann.

Alle gut und sinnvoll, oder?

Es wird dazu beitragen, medizinische Helfer schneller zur Unfallstelle zu lotsen. Und damit menschliches Leid lindern. Möglicherweise sogar Menschenleben retten.

Rechtfertigt das die Möglichkeiten und die Datennutzung, die dadurch entstehen kann?

Was kann alles passieren? Wenn schon so ein System eingebaut ist, werden das auch die Hersteller nutzen. Auf jeden Fall. Aber auch andere haben Interesse an den Daten!

Dazu fällt mir ein:

  • Nutzung durch Polizei / Gerichte / Verkehrsüberwachung, Freigabe der Daten bei „berechtigtem Interesse“ sehr wahrscheinlich
  • Diebstahlprävention – Abschreckung, wenn ein gestohlenes Fahrzeug geortet werden kann
  • Datennutzung durch den Fahrzeughersteller, zumindest anonym.
  • Erstellung von Nutzungsprofilen
  • bei Einverständnis des Fahrers (Unterschrift zur Datenfreigabe bei der Neuwagenübergabe oder Versicherungsabschluss ist sicherlich vom Normalfahrer zu bekommen. Was heisst das für Folgebesitzer??)
  • Kontrolle der jährlichen / monatlichen Fahrleistung durch Leasingfirma, Arbeitgeber, Versicherung
  • Aufklärung und Kontrolle auch von kleineren Delikten und Vergehen: wenn z.B. jemand an einem verunfallten Fahrzeug vorbeifährt ohne zu halten, kann das einfach ermittelbar sein
  • Fehlalarmierungen: wer kommt für die Kosten auf, wenn -zigfach wegen des versehentlich oder falsch gedrückten Knopfes vom Rettungsdienst ausgerückt wird?

Ja klar, die Chance, gerade selbst von diesen Möglichkeiten betroffen zu werden, ist aufgrund der Anzahl der Fahrzeuge im Strassenverkehr so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Aber immer wieder gewinnt einer im Lotto!

Was meint Ihr:

Ist der Datenschutz dank unserer heutigen und zukünftigen Akustik- und Datenkommunikationsmaschinen (Smartphone, Handy etc.) sowieso nur ein Lippenbekenntnis – oder muss hier aufgepasst werden, damit die Datensammler im Strassenverkehr eingebremst werden?

Sicher und nur vermeintlich sicher?

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Kein aktueller Testbericht über ein neues Auto, ohne dass der Autor auf die vorhandenen oder nicht vorhandenen Sicherheitssysteme hinweist.

Damit gemeint sind solche Dinge wie Verkehrszeichenerkennung, Abstandsradar, Toter-Winkel-Warner, Spurhalteassistent, Notfall-Selbstbremsfunktion und andere mehr.

Die Journalisten bewerten ein Fahrzeug besser, je mehr solche Dinge bestellbar sind. In den allermeisten Fällen gegen mehr oder weniger horrende Aufpreise.

Macht das in der Praxis auch Sinn? Zumindest darf man es in Frage stellen. Je mehr Assistenzsysteme vorhanden sind, umso mehr Signale und Hinweise muss der Fahrer auch beachten. Eventuell sogar bei jedem Fahrtantritt entsprechend konfigurieren/aktivieren.

Ich meine: am sinnvollsten sollte der Fahrer immer auf die Straße vor ihm konzentriert sein – es gibt einige wenige Dinge, die dabei helfen können, z.B. ein HeadUp-Display, damit man wirklich nicht von der Fahrbahn vor einem wegschauen muss. Und wenn man tatsächlich zu spät reagiert (was aber bei entsprechender Konzentration und angepasster Geschwindigkeit nicht der Fall sein dürfte), dann ist natürlich ein entsprechender Bremsassistent sinnvoll. Genauso das ABS oder das elektronische Stabilitätsprogramm, das bei überraschend veränderten Strassenverhältnissen dabei helfen kann, auf dem rechten Weg zu bleiben.

Aber sonst? Vor allem für Leute, die mit vielen verschiedenen Autos fahren müssen oder wollen – z.B. Mietwagen oder Firmenfahrzeuge- könnten die verschiedenen Blink- und Tonsignale wesentlich ablenkender wirken, als der Sicherheitsgewinn dadurch ist.

Wer ein Verkehrszeichen nicht erkennt, ist definitiv entweder zu schnell, unkonzentriert oder zum Fahren nicht geeignet, weil er zu schlecht sieht. Warum also die Verkehrszeichenerkennung? Wer auf der Straße eine Geschwindigkeitsbeschränkung nicht erkennt, der wird auch nicht bremsen, wenn die Regelung im Armaturenbrett angezeigt wird.

Wer sich auf der Autobahn drauf verlassen muss oder will, dass ihn sein Auto automatisch vor dem seitlichen Verlassen der Fahrbahn abhält, sollte vielleicht doch auf die Schiene umsteigen.

Wer das Geld für den Aufpreis der Sicherheitssysteme in der gleichen Höhe dafür anlegt, ein oder mehrere Sicherheitstrainings zu besuchen, fährt meiner Meinung nach genauso sicher und hat viel mehr Spaß beim Fahren. Und, nicht zu vergessen: wer bewusst um Kurven fährt, seine Geschwindigkeit bewusst wählt, fährt mit geringerem Kraftstoff- und Reifenverbrauch und hat noch dazu viel weniger Bremsenverschleiss.

Eine Frage ist ohnehin noch unbeantwortet: wenn ein System versagt und der Fahrer dadurch -im schlimmsten Fall – einen anderen Menschen verletzt, wird die Verantwortung auch nicht der jeweilige Hersteller übernehmen, sondern der Fahrer muss dafür gerade stehen.