Update. Warum?

Angeblich völlig normal, die Notwendigkeit von Updates.

Nicht nur beinahe, sondern tatsächlich täglich trifft es mich irgendwo: Ein Smartphone, eine App, ein Programm, ein Betriebssystem – irgendetwas will immer ein „Update“ haben und hat es oft schon aus den unergründlichen Tiefen des Internets selber geladen. Man muss dann nur noch die „Allgemeinen Geschäftbedingungen“und oft zusätzlich eine 34 – seitige Datenschutzerkärung bestätigen, dann geht die wilde Fahrt mit dem wer-weiß-wie-stark verbesserten Produkt los. Aber, provokativ gesagt, ist es nicht eigentlich so: wenn irgendwo ein Update notwendig ist, dann wurde das Teil nicht fertig entwickelt und ist somit fehlerhaft. Sollte also auf Herstellerkosten ausgetauscht werden.

Die Einwände kenne ich schon: Ein Update ist eine Software für den sicheren Betrieb eines Computers, Programms oder sonstigen softwaregesteuerten Gerätes. Angeblich völlig normal, die Notwendigkeit von Updates. Hat angeblich nichts mit „nicht fertig entwickelt“ zu tun, mit „fehlerhaft“ auch nicht zwingend. Das Update bringt das Gerät nur auf dem neuesten Stand. Ja, man hat mir auch schon erklärt, dass es nicht möglich ist, ein perfektes Computerprogramm zu schreiben: weil der Programmierer (und alle, die daran rumtesten) unmöglich alle Szenarien vorhersehen kann und in einer ganz bestimmen Situation irgendein Tastendruck eine Ereigniskette anstossen kann, die man nicht planen konnte. Aber ist das Programm dann nicht viel zu umfangreich, wenn man zwangsläufig mit einem Fehler rechnen muss?

Okay. Wenn kein Fehler drin ist, dann brauch ich also auch kein Update. Zumindest nicht „notwendig“. Updates für sämtliche Computer sind mir immer „unangehm“. Wenn ich mir ein Teil kaufe, dann entscheide ich mich dafür mit den Eigenschaften, die das Teil im Moment des Erwerbs hat – mit den Vor- und Nachteilen, die ich akzeptiere. Warum muss da irgendjemand, ohne dass ich es will, mit Updates nachträglich dran rumpfuschen? Egal, ob Computerprogramm, Gerät, Gadget, Auto, was auch immer. Wenn ich zusätzliche Funktionen will oder brauche, dann sollte es meine Entscheidung sein, ob ich die dazukaufen will oder nicht!

Vielleicht will ich ja die neuesten Funktionen gar nicht? Ein Beispiel aus meinem Umfeld sind die Dienste, die für das „Connected Car“ angeboten, teilweise aufgezwungen werden. Vielleicht ist das Auto für mich eine Art Rückzugsort, eine Zeitkapsel, in der ich keine Störung und keine Nachverfolgbarkeit haben will. Und die angebotenen Updates haben hauptsächlich den Zweck, ungefragt exakt auf mein Verhalten, angeblich auf meinen Bedarf zugeschnittene Angebote zu machen.

Die Hersteller sind stolz darauf, zukünftig Updates „OTA“, „Over the Air“, also ohne Werkstattbesuch anzubieten. Die ändern die Ausstattung quasi beim Fahren. Will das irgendjemand? Der Vorteil für die Hersteller ist unter anderem, dass niemand außer sie selbst den genauen technischen, den software-technischen Stand des Gefährts kennt und auch nur sie selbst darauf uneingeschränkten Zugriff haben. Daraus folgt: wer was wissen will, musss zahlen …

Wirklich notwendig sind Updates nur, um die „NullerundEinser“-Dompteure, also die IT-Branche, viel schneller viel einflussreicher zu machen als es das jemals zuvor gab. Und ja, ich weiss, dass jeder selbst seinen Beruf gewählt hat – habe somit keine Berechtigung zur Beschwerde.

Viele Softwareprodukte kann man ohnehin nicht mehr kaufen, sondern muss sie monatlich/jährlich mieten. Als Vorteil wird angeführt, dass das Programm immer auf dem neuesten Stand wäre. Eine temporäre Nicht-Verfügbarkeit des weltumspannenden Internets wird dabei gar nicht mal in Betracht gezogen. Was ohne Netz nicht funktioniert, funktioniert gar nicht.

Man mag das jetzt altbacken finden, aber so etwas hat meiner Meinung nach in kritischen Bereichen nichts zu suchen. Und das Fahren mit einem Auto sehe ich als so einen kritischen, potentiell lebensgefährlichen Bereich.

Liebe IT’ler: macht bitte die Fahrzeugsysteme also so zuverlässig, dass sie in jedem Fall, sei er noch so unwahrscheinlich, funktionieren. Ohne Updates. Also macht sie einfacher. Provozieren könnte man auch: macht sie bei allen Herstellern exakt gleich zu bedienen! Es hilft dem Fahrer die bestgemeinte Warnung oder Unterstützung nichts, wenn er sie nicht erkennt, weil er sie nicht versteht.

Ein Update fände ich allerdings gut: ein regelmässiges Update für den Fahrer. Ein verpflichtendes Sicherheitstraining, spätestens alle fünf Jahre, damit der Chauffeur wenigstens ungefähr weiß, was sein Gefährt zu leisten im Stande ist, worauf er sich einstellen muss und worauf er sich hoffentlich verlassen kann.

Unrealistisch? Wie ist Eure Meinung dazu?

Autor: Michael Ströher

Auto- und Motorradldamisch seit kurz nach der Geburt. Toyota - Profi und Fan von allem, was auf Rädern Spaß macht. Hybrid - Junkie - mit eigener Meinung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s