Fahrbericht: Prius . Eine kleine Liebeserklärung.

 

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Der erste Hybrid-PKW, der in Großserie gebaut wurde.

Was wurden wir am Anfang, als 2001 der allererste Prius 1 bei uns war, damit belächelt und ausgelacht! Er war keine Schönheit, ok, zumindest nicht nach europäischem Geschmack. Aber wie langweilig wär denn die Welt, wenn sich jeder in die gleiche Schönheit verlieben würde?

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Der Prius II – ab Baujahr 2003 – zeigte schon die bis heute typische, aerodynamisch optimierte Form:

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Immer wieder lese ich Leserbriefe und Kommentare zum Hybridantrieb im Allgemeinen und zum Toyota Prius im Detail – von Lesern von Automobilzeitschriften, Motorjournalisten und vielen anderen Menschen, die gerne Ihre Meinung öffentlich verbreiten.

 

Meistens sind das Aussagen, die zu 100% „pro-Hybrid“ oder absolut dagegen stehen – und ganz sicher haben viele, die schlau darüber
referieren, nur wenig oder gar keine Erfahrung damit. Natürlich habe ich in gewissem Maß einen „Toyota-Brille“ auf – wenn man diese Autos seit seinem 4. Lebensjahr kennt und schon weit über 25 Jahre damit arbeitet, bleibt das nicht aus. Andererseits kenne ich sehr wohl die „Schwächen“ Toyota’s und auch des Hybridsystems – und werde diese auch nie als positiv hinstellen.
Fest steht: wenn man sich Gedanken um seine Zukunft – und die unseres Planten – macht, war die Entwicklung des Toyota-Hybridsystems (auch wenn sie von einem anderen Hersteller käme) ein notwendiger Schritt. Sogar, wenn er nur beweisen würde, dass dies
ein Schritt in die falsche Richtung sein würde. Das betrifft nicht nur die Emissionen und den Verbrauch an natürlichen Ressourcen, auch wenn diese Vorteile in der Presse und auch vom Hersteller immer wieder betont und herausgestellt werden.
Jetzt, wo die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes – zumindest in dem Bereich, den ich erlebe – an seine Grenzen stößt (habt Ihr Euch in den letzten Jahren nachts schon mal einen Autobahnparkplatz angesehen?) und die Verkehrsdichte in jeder Sekunde die größtmögliche Aufmerksamkeit fordert, sollte es das Auto seinem Fahrer so einfach wie möglich machen. Die Altersstruktur der Autofahrer ändert sich auch nicht in Richtung zu jungen, bestens ausgebildeten Reflexwundern vom Schlage eines potentiellen Rennfahres – eher im Gegenteil. Hier kommt der größte Vorteil des Hybridsystems zum Tragen: nicht nur, dass es absolut führend am Markt in Sachen Bedingungskomfort und Einfachheit ist (es gibt per heute meines Wissens nach kein Auto, das einfacher zu fahren ist als ein Vollhybrid-Toyota) und dadurch die Aufmerksamkeit des Fahrers dem Verkehr zuleiten kann. Es erzieht durch das enorme Sparpotential und die logischen Anzeigehilfen hierzu den Fahrer zu einer gleichmäßigen, sparsamen und sicheren Fahrweise.

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Dennoch bietet der Prius ganz hervorragende Fahrleistungen und vor allem sehr gute Praxis-Beschleunigungswerte – das Fahrerlebnis ist nur völlig anders. Wir haben hier bei uns im Bayerischen Wald ganz in der Nähe eine Straße, die nach einer scharfen Kehre mit immer größerer Steigung auf einen Bergkamm führt. Ich fahre diese Straße mit jedem Auto, das mir in die Finger kommt, lasse es um die Kehre rollen und beschleunige dann voll bis zum immer gleichen Verkehrsschild. Der Prius III  ist hier etwa genauso schnell wie ein 2,0ltr-Diesel-Fahrzeug europäischer (deutscher) Produktion, das von der Presse immer für seine hervorragenden Fahrleistungen gelobt wird. Ein Lexus RX400h ist hier von keinem anderen Fahrzeug unter 300PS Leistung zu schlagen. Nur: man hat beim Hybridauto nicht den Eindruck dieser Fahrleistungen! Das gebe ich zu, obwohl ich jetzt seit 2001 mit Toyota-Hybridfahrzeugen regelmäßig unterwegs bin und mich eigentlich dran gewöhnt haben sollte. Die stufenlose Kraftübertragung (Getriebe im bisher bekannten Sinne ist das keines) in Verbindung mit dem Elektromotor macht einfach einen ganz anderen Eindruck.
Ganz klar: der Prius taugt nicht zum Spaß-Sportwagen. Das tut aber aufgrund des Motor-Ansprechverhaltens nach meinem Verständnis von Fahrspass auch kein Diesel, eigentlich bis auf ganz wenige Ausnahmen gar kein modernes Auto, das sich ein Normalverdiener durch Verzicht auf andere Hobbys noch gerade so leisten könnte (unter 40000.- Euro)

Aber er ist ein absolut optimales Alltagsauto! Das Fahrwerk ist bequem, er lenkt leicht und exakt. Leise fährt er sowieso, von innen und auch von aussen. Das mag ich so an ihm.

Vier Erwachsene (notfalls auch fünf) können bequem sitzen und vor allem auch problemlos ein- und aussteigen, weil die Türen etwas höher sind als bei vielen anderen Mittelklasse-Autos.

Der Kofferraum ist durch die riesige Heckklappe ganz problemlos zu beladen und optimal nutzbar, in 3 Sekunden etsteht durch das Umlegen der Sitze eine 1,70 Meter lange Ladefläche.

 

Es gibt sogar die Möglichkeit, in einem Prius 2 Fahrräder im Innenraum stehend zu transportieren – und dann auch noch Gepäck mitzunehmen!

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Ich oute mich zwar vielleicht bei vielen Sportwagenfahrern jetzt, gebe aber zu:  ich fahre ich aber gerne und viel mit dem Prius. Eben eine kleine Liebeserklärung.

Und lasse auch gerne andere Leute mal probieren.
Es hat noch niemand gesagt, das Auto wäre zu kompliziert oder man könnte sich nicht daran gewöhnen. Man braucht auch keine Steckdose zum Aufladen 😉  – ja, der Meinung sind immer noch viele Leute!

Obwohl: mittlerweile gibts auch die Möglichkeit, ein spezielles Modell des Prius – den Prius PlugIn – mit seinem grösseren Akku an der Steckdose aufzuladen und dadurch Strecken bis zu ca. 20km ohne Einsatz des Verbrennungsmotors zurückzulegen. Das ist aber ein eigenes Kapitel.

Der Prius gefällt mir auch optisch, vor 30 Jahren sahen so oder so ähnlich die Zukunftsfahrzeuge in den Zeitschriften aus.

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Kurz zu beliebten Kommentaren, die man immer wieder hört oder liest:
• „Hybrid ist zu schwer.“ Ein Golf (oder auch ein Toyota Auris) ist schwerer als ein Prius, am Hybridantrieb alleine liegt es nicht, wenn ein Auto zu schwer ist.
• „Gesamt-Ökobilanz durch die Batterieherstellung ist schlecht.“ Die Batterieherstellung ist nur mit einem Bruchteil des Energie- und Rohstoffaufwands beim Bau des Fahrzeugs beteiligt! Siehe auch hier: http://www.autohaus-stroeher.de/files/prius-nachhaltigkeit_und_umwelt.pdf
• „Wenn die Batterie kaputt ist, kann das doch kein Mensch bezahlen“ Ich persönlich kenne niemanden, auch keinen Händlerkollegen, der schon eine Batterie austauschen musste. Im Gegensatz dazu kenne ich viele, die einen Turbolader (wissen Sie, was so ein Teil kosten kann?), eine Einspritzpumpe, einen Injektor, …. für viel, viel Geld bei einem Dieselmotor austauschen mussten. Die Batterien gehen
nicht kaputt, es gibt nachweislich Hybrid-Toyotas in Skandinavien und auch Taxis in München, die mehr als 600000km mit dem ersten Akkupack gefahren sind- und immer noch weiterfahren. Und überhaupt hat die Batterie bis zu 10 Jahre Garantie.
• „Hybrid funktioniert nur in der Stadt“ Unsinn. Die entspannte Fahrweise ist auf Landstrassen genauso angenehm.
• „Hybrid ist schlecht auf Langstrecken“ Hier eine persönlicher Erfahrung: Fahrt von Neukirchen nach Köln und zurück mit dem Prius III, Gesamt- Durchschnittsgeschwindigkeit 119km/h, 1152km, gesamt verbraucht: 66,18ltr. Macht 5,8l/100km und eine total entspannte Fahrt, es waren insgesamt vielleicht 50km komplett freie Strecke, von denen bin ich ca. 30km mit 191km/h laut Tacho gefahren (das musste einfach zum Adrenalin aufpumen sein)
Zum Schluss – last but not least, wie es so schön heißt – der für mich persönlich wichtigste Punkt: ich kenne kein aktuelles Auto, das hohe Laufleistungen technisch so problemlos, ohne irgendwelche Ausfälle oder Reparaturen erreicht. Auch der natürliche Verschleiß ist, das hat sich herausgestellt,  wesentlich niedriger als bei anderen Fahrzeugen. Warum? Ich erkläre es mir so: das Auto fährt ohne irgendwelche Rucklereien beim Anfahren oder Schalten, die Krafteinleitung ist immer sehr sanft. Das schon natürlich Wellen, Lager, den gesamten Antriebsstrang. Beim Bremsen wird erst einmal versucht, das Fahrzeug durch Energie-Rückgewinnung zu verzögern – die Bremsbeläge werden weniger abgenutzt. Der Benzinmotor als Energielieferant läuft, je nach Fahrweise, nur zu 60-80% der Fahrzeit – wo ein konventioneller Motor immer, zu 100%, läuft. Auch sind viele Teile, die bei einem herkömmlichen Motor oft Defekte verursachen, gar nicht da: So hat z.B. der Prius III keinen einzigen Keilriemen mehr, keine Lichtmaschine muss angetrieben werden, es gibt einen Anlasser im herkömmlichen Sinne. Die Steuerung des Hybridsystems ist in einem geschlossenen, separat gekühlten System untergebracht und hat keine beweglichen Teile, die einem Verschleiß unterliegen.

Die meisten Eindrücke treffen auch auf den Toyota Auris Hybrid und den Yaris Hybrid zu – soweit es das Antriebssystem betrifft, das ist gleich wie beim Prius. Diese Autos, die Karrosserie davon, sind halt über die Prius-Technik übergestülpt worden – weil sich europäische Kunden offensichtlich nur schwer an die (aerodynamisch optimale) Form des Prius gewöhnen können. Aber was alle wollen, wollte ich noch nie …  vor allem auch der Innenraum ist eine Nummer „spaciger“ als bei üblichen Mittelklasse-Autos, gerade das finde ich so gut am Prius.

 

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Jetzt schon freue ich mich auf zukünftige Hybridfahrzeuge von Toyota. Natürlich ist das heute verkaufte Toyota-Hybridsystem nicht das Ende der Entwicklung und der  Stein der Weisen – wo kämen wir da denn hin! Natürlich ist ein Brennstoffzellenauto ein Ziel, das keine Abgase produziert und abends auch noch Strom und Wärme für die Wohnung liefert. Aber bis es soweit ist, einen so großen Schritt zu machen (wie Armstrong auf den Mond), müssen viele Leute viele kleine Schritte machen – ich bin sicher, der Prius war ein ganz, ganz wichtiger. In 20 Jahren kann ich sagen: ich war von Anfang an dabei.

Wobei: es wohnen schon zwei Herzen in meiner Autofahrer-Brust. Die eine plädiert für die Vernunft und damit den Prius, und die andere fürs „Autofahren als pures Erlebnis“ – dazu aber ein anderes Mal. Es reichen drei, maximal vier Buchstaben: MR2, AE86 oder GT86 …  wahre Liebe …

Fahrbericht: Aygo – wirklich günstige Mobilität

Hier wirds ab jetzt Fahrberichte über jeden Toyota geben. Vielleicht mit etwas rosaroter Brille, aber die sollen ja sogar schon Autotester vom ADAC aufgehabt haben – und ich kenne, ganz bestimmt, die meisten Toyota-Modelle besser als die allermeisten Tester.

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Los gehts also mit dem Aygo. Gleich ein paar Superlative dazu:

Der günstigste Kaufpreis aller aktuellen Toyota-Modelle. Am wenigsten Ausstattung aller aktuellen Toyota-PKW’s, die schmalste Serienbereifung (155/65R14) – spart beim Spritverbrauch und beim Reifenkauf. Von allen PKW-Modellen, die es je in Deutschland von Toyota zu kaufen gab, mit derjenige mit der längsten Modell-Laufzeit – jetzt schon bald 9 Jahre, und das fast unverändert! Nur in den 90er Jahren gabs mal den MR2, der ähnlich lange relativ unverändert gebaut wurde.

Entsprechend sind seine Qualitäten: Verlass Dich auf mich – das sagt er seinem Fahrer! Der aktuelle Neuwagen-Kaufpreis liegt immer noch auf dem gleichen Niveau wie 2005! Das Auto ist absolut ausgereift und zuverlässig.

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Er wird in einer extra „für ihn“ gebauten Farbrik im tschechischen Kolin gebaut (etwas östlich von Prag) – ich war schonmal dort. Es werden dort auch der Citroen C1 und der Peugeot 107 gebaut – es gibt aber einen kleinen, feinen Unterschied, den ich selbst gesehen habe: Normalerweise wird jedes Auto, das fertig gebaut ist, wie in jeder anderen Toyota-Fabrik auf dem Globus, von der Produktionsstraße direkt zur Verladung gefahren. Das ist auch dort so, denn die Qualität wird schon während der Montage ständig überwacht. Der Toyota-Way – das ist aber eine andere Geschichte, die man auch mal googeln kann. Allerdings werden nur die Peugeots und Citroens sofort verladen. Die Aygos gehen – auf jeden Fall war es so, als ich dort war – in eine separate Halle und werden dann nochmal gecheckt. Vielleicht ist das der kleine Unterschied und Grund dafür, warum der Aygo in sämtlichen Statistiken des TÜV, DEKRA, ADAC und Co. in Sachen Haltbarkeit und Zuverlässigkeit besser abschneidet als seine Brüder C1 und 107.

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Jetzt aber zum Fahren:

Ich beschreibe ihn am einfachsten als ehrliches Auto. Wenn er schwerer arbeiten muss beim Bergauffahren, dann brummt der 3-Zylindermotor halt lauter. In den Kurven hat er ein ehrliches, berechenbares Fahrverhalten – wenn man viel zu schnell ist, wird man aus der Kurve rausfliegen, in Serienzustand hilft da kein elektronisches Stabilitätsprogramm (obwohl das auf Wunsch, gegen Aufpreis, zu haben ist). Die Federung macht das, was man davon erwarten kann: sie bügelt grobe Straßenunebenheiten aus, damit das Gefährt nicht von der Fahrbahn springt – lässt aber den Fahrer nicht über den Straßenzustand im unklaren. Manche Tester und andere Auto-Hersteller beschrieben so etwas als „sportlich-straff“.

Die Fahrleistungen sind mehr als ausreichend: der Aygo beschleunigt gut, lässt sich mit dem 2. Gang bei Höchstdrehzahl über 100km/h treiben und ist auf der Autobahn (lt. Tacho) über 170km/h schnell! Er ist nicht zu laut und auf jeden Fall flott genug.

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Natürlich gibts zur leichteren Bedienung eine Lenkhilfe – früher mal als Servolenkung bezeichnet, funktioniert das Ding beim Aygo elektrisch und spart entsprechend Energie, da das System nur dann aktiv wird, wenn es auch benötigt wird – im Gegensatz zu einer ständig mitlaufenden hydraulischen Servopumpe.  Auch Antiblockiersystem und diverse Airbags sind mit an Bord. Zum Sicherheitsniveau kann ich ein Beispiel bringen: Eine Kundin ist mit dem Aygo bei glatter Fahrbahn eine ca. 1,5 hohe Böschung hintergespringen, hat mit der Fahrzeugschnauze „eingespiesst“, das Auto hat sich vorwärts überschlagen und blieb auf dem Dach liegen.
Ihr ist dabei fast nichts passiert – mit etwas Glück und dank der stabilen Konstruktion.

Er lässt sich ganz einfach bedienen – man braucht keinen Lehrgang wie bei anderen Herstellern, alleine um die Heizung wärmer zu stellen: die Bedienelemente erklären sich jedem, der über ein klein bisschen Fahrpraxis verfügt, von selbst. Bei keinem anderen Auto haben wir so wenig Nachfragen wegen der Bedienung und Einstellung. Er ist pflegeleicht.

Er sieht gut aus: keine übertriebenen Design-Experimente, sondern ein freundliches Gesicht und ein hübscher Hintern.

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Der Aygo ist der vielfach bewiesene Kilometerkosten – König: günstiger fahren geht einfach nicht. Es gibt Aussendienst-Mitarbeiter unter unseren Aygo-Kunden, die damit pro Jahr über 40000 Kilometer zurücklegen. Pflegedienst kommen auf ähnliche Fahrleistungen und verlassen sich auch auf den Aygo. Problemlos und wartungsarm ist er: kein Zahnriemen, der teuer getauscht werden muss, sondern eine wartungsfreie Steuerkette. Robuste Trommelbremsen hinten, damit auch nach mehreren Wintern keine verrosteten Bremssscheiben für viel Geld ausgetauscht werden müssen, wie bei vielen anderen Fahrzeugen heutzutage üblich.

Er ist halt ein Toyota, wie sie früher mal waren: nicht der allerkomfortabelste, nicht mit dem allerneuesten Schnickschnack. Sondern einfach zu bedienen und robust.

Und Spaß macht er auch, vor allem jungen Leuten: die können sich wegen günstiger Versicherungseinstufung das Fahrzeug auch leisten und freuen sich über aktuelle Audio- und Navigationsgeräte, auch mit Bluetooth-Freisprechanlage und mehr dieser aktuellen Features.

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Alles in allem: Was man wirklich braucht, ist da und funktioniert. Er ist halt klein und hat nur Platz für vier Leute. Aber das hat auch oft seine Vorteile – wer will schon immer alle dabeihaben …